Österreich ist kein mehrheitlich katholisches Land mehr. Die römisch-katholische Kirche hat im Sommer ihre Bevölkerungsmehrheit verloren – ein historischer und bedeutungsvoller Moment, der die fortschreitende Säkularisierung in Österreich bestätigt.
Die Mainstreammedien in Österreich, die bekanntlich weitgehend unter katholischem juristischen Einfluss stehen, haben diesen bedeutsamen Wendepunkt aufschlussreich entweder ignoriert oder heruntergespielt. Wieder einmal zeigte sich die österreichische Medienlandschaft als eine gleichgeschaltete Informationsmaschinerie, der es an Interesse für objektive Berichterstattung und eine seriöse Analyse gesellschaftlich relevanter Entwicklungen mangelt.
Trotz eines leichten Rückgangs bleibt die Zahl der Kirchenaustritte weiterhin hoch. Ein deutlicher Einbruch bei Taufen und der demografische Wandel haben dazu geführt, dass der Anteil der Katholiken in Österreich auf nunmehr unter 50 % gesunken ist.
Im Jahr 2023 verließen 85.163 Menschen die Kirche – der dritthöchste Wert in der Geschichte. Auch ohne aktuellen Missbrauchsskandal zeigt sich der fortschreitende Zerfall der katholischen Kirche. Dies spiegelt sich ebenfalls in sinkenden Zahlen bei Kindstaufen, Erstkommunionen und Firmungen wider, was darauf hindeutet, dass immer weniger junge Menschen an religiösen Ritualen teilnehmen. Die Zahlen der Statistik Austria über den Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung belegen den jahrelangen Niedergang:
1951: 89,0%
1971: 87,4%
1981: 84,3%
1991: 78,0%
2001: 73,6%
Eine beliebte Ausrede der Kirche und der ihr zuarbeitenden Medien lautet: Der Kirchenbeitrag sei für die Austritte schuld. Doch diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage, denn Studien, die dies belegen, existieren nicht. Tatsächlich haben Katholiken, die sich den Beitrag nicht leisten können, die Möglichkeit, sich befreien zu lassen, während der Rest der Gläubigen die steuerliche Absetzbarkeit ihres Beitrags genießen darf – ein staatlich gefördertes Privileg.
Unterdessen arbeiten eifrige Lobbyisten daran, den Steuerzahler in die Pflicht zu nehmen, den Kirchenbeitrag zu übernehmen – sogar konfessionsfreie Bürger sollen den Beitrag für die Gläubigen mitfinanzieren. Diese Konfessionsfreien machen inzwischen 32 % der Bevölkerung aus. Diese Prozentzahl affirmiert den wachsenden Trend zur Abkehr von religiösen Institutionen.
Doch nicht nur die Gläubigen kehren der Kirche den Rücken. Auch der Priestermangel wird immer gravierender. Die Zahl der Priester sank 2023 von 3.403 im Vorjahr auf 3.320 – ein Rückgang von 2,4 %.
Trotz dieser Entwicklungen können die Lobbyisten der Kirche einen beachtlichen Erfolg verbuchen: Die Obergrenze des steuerlich absetzbaren Kirchenbeitrags wurde kürzlich von 400 auf 600 Euro angehoben. Die schwarz-grüne Regierung verzichtet damit nicht nur weiterhin auf dringend benötigte Steuereinnahmen, sondern erhöht den finanziellen Verlust des Staates sogar. Von einem konsequent säkularen Staat kann keine Rede sein.
Die katholische Kirche begnügt sich nicht damit, dass Österreich aufgrund eines Vermögensvertrags mit dem Heiligen Stuhl bis zum Jüngsten Gericht jährlich Entschädigungszahlungen für während des Nationalsozialismus enteignetes Vermögen leistet. Niemand hinterfragt, wie die Kirche überhaupt zu ihrem Vermögen gekommen ist, ob die Entschädigungssummen angemessen sind und wie lange Österreich noch zur Kasse gebeten werden soll. Derzeit beläuft sich die Zahlung an die römisch-katholische Kirche laut letzter Valorisierung auf 24.904.800 Euro pro Jahr (vgl. BGBl. III Nr. 169/2023).
Tatsächlich fällt die Summe für die Wiedergutmachung für NS-Schäden insgesamt sogar noch deutlich höher aus, weil diese Zahlung nur eine Komponente darstellt. Das Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz berichtet auf der Webseite „Kirchenfinanzierung“ über das Jahr 2023:
„Wichtigste Einnahmequelle der Diözesen ist der Kirchenbeitrag mit 511,03 Millionen Euro und einem Anteil von 73,4 Prozent an den Erlösen und Erträgen. Die staatlichen Leistungen zur Abgeltung von NS-Schäden machen rund 61,5 Millionen Euro und somit 8,8 Prozent an den Einnahmen aus. Die restlichen 123,6 Millionen Euro und damit 17,8 Prozent der Einnahmen stammen aus der Vermögensverwaltung, aus Vermietungen, Leistungen, Subventionen und sonstigen Erträgen.“
Und nein, damit finanziert die Kirche nicht die Sozialdienste der Caritas. Diese Leistungen werden gesondert vom Steuerzahler getragen! Nochmals das Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz:
„Der Großteil der Ausgaben entfällt mit etwas über 447 Millionen Euro (2022: 432,8 Millionen) auf die Personalkosten (61,3 Prozent) für die 8.482 Beschäftigten (Priester und Laien) im diözesanen Dienst. Diese Position korrespondiert mit dem Gros der Mittel, die für seelsorgliche und pfarrliche Aufgaben aufgewendet werden. Dabei ist der Personalaufwand für die Laienangestellten höher als für den Klerus und beträgt knapp 275 Millionen Euro (2022: 262,5 Millionen) bzw. 37,7 Prozent der Aufwendungen. Beim Klerus schlagen fast 105,6 Millionen Euro (2022: 101,7 Millionen) an Personalkosten sowie rund 66,4 Millionen Euro für die Altersversorgung (2022: 68,6 Millionen) zu Buche, was zusammen 23,6 Prozent der Aufwendungen ausmacht.
Die Bau- und Erhaltungskosten lagen 2023 bei knapp 47 Millionen Euro (2022: 42,5 Millionen), was einem Anteil von 6,4 Prozent an den Gesamtausgaben entspricht. Der restliche Sachaufwand beinhaltet Zuschüsse für Pfarren und andere kirchliche Stellen, Kosten für Instandhaltung, Material und Energie sowie sonstige Ausgaben und machte über 235,8 Millionen Euro (2022: 213,2 Millionen) bzw. 32,3 Prozent aus.“
Detaillierte Quellenangaben und Statistiken zum Thema Kirchenaustritte finden sich im informativen Blogbeitrag meines Vorstandskollegen und Datenanalysten Balázs Bárány auf der Website des Humanistischen Verbands Österreichs: „Österreich hat keine katholische Mehrheit mehr„
Hinweis zum Online-Austritt:
Wer seinen Kirchenaustritt noch nicht vorgenommen hat oder den Weg zur Behörde scheut, kann diesen ganz bequem online erledigen. Hier ist der Link dazu:

Hinterlasse einen Kommentar