In diesem Beitrag möchte ich von meinem Besuch einer Ausstellung über Karl Raimund Popper (geboren am 28. Juli 1902 in Wien, gestorben am 17. September 1994 in London) im Bezirksmuseum Hietzing berichten. Dabei teile ich einen Mitschnitt über ein Uraufführung einer musikalischen Komposition von Sir Karl Popper und eine überraschende Information, die ich dort erfahren habe, und richte einen Aufruf an musikalisch begabte Humanist*innen.
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Kürzlich besuchte ich das Bezirksmuseum Hietzing – mein erster Besuch, jedoch nicht ganz zufällig. Prof. Robert Hofstetter, ein Philosophielehrer, den ich mir in meiner eigenen Schulzeit gewünscht hätte, lud mich zur Besichtigung der von ihm zum 30. Todestag Poppers kuratierten Ausstellung „KARL POPPER und andere Hietzinger Persönlichkeiten“ ein. Ich kenne Hofstetter von seinen Vorträgen an der VHS Urania und im Klub der logischen Denker. Dort diskutiert eine Gemeinschaft von kritischen Köpfen seit über 50 Jahren regelmäßig philosophische, gesellschaftliche, geschichtliche und viele andere Themen (hier das aktuelle Klub-Programm). Hofstetter hatte auf meiner Blogseite das Kommentar „Karl Popper und die Beschneidung der Juden im Kontext des Toleranzparodoxon“ gelesen und als „inspirierend“ bewertet – auch wenn er mir nicht in allem zustimmte, was bei philosophischen Gesprächen nichts Ungewöhnliches ist. Neugierig darauf, wie er Poppers Leben im Bezirksmuseum aufbereitet hatte, nahm ich seine Einladung gerne an.
Die Ausstellung, die sich in einem einzigen Raum des Museums befindet, konzentriert sich vor allem auf das Privatleben Poppers, was mir besonders gefiel, da diese Seite oft weniger beleuchtet wird. Zahlreiche Fotos zeigen Popper als Kind, als Schüler und als begeisterten Wanderer. Man erfährt, wo er in Wien lebte und welche Schwierigkeiten er in seiner Jugend hatte, besonders in seiner Schulzeit.
1902 wurde Karl Raimund Popper am 28. Juli in Wien geboren, als drittes Kind seiner zum Protestantismus konvertierten, liberal-großbürgerlichen Eltern. Popper witzelte später über seinen Geburtsort:
„Vom Himmelhof, da komme ich her.“
1917 besuchte Karl Popper noch das Realgymnasium in der Radetzkygasse, ein Schuljahr, das durch ein Foto in der Ausstellung dokumentiert ist. Poppers Verhältnis zur Schule ist jedoch problematisch, wie er selbst kritisch bemerkte:
„Die Fragen des Schülers bleiben unbeantwortet, und die Antworten des Lehrers wurden vom Schüler nicht hinterfragt.“
1918 verließ Popper das Gymnasium und arbeitete zunächst als Gelegenheitsarbeiter. In dieser Phase wendete er sich kurzzeitig dem Kommunismus zu.
1922 holte er die Externistenmatura nach und schrieb sich noch im selben Jahr an der Universität Wien ein, um Mathematik, Geschichte, Psychologie und Philosophie zu studieren. Zudem begann er eine Ausbildung am Pädagogischen Institut, da er große Hoffnungen in die Schulreformen von Otto Glöckl setzte. Humanist*innen kennen und schätzen Otto Glöckel noch heute vor allem für seine Bemühungen um die Trennung von Kirche und Staat, die sich unter anderem in der Abschaffung des verpflichtenden Religionsunterrichts zeigte.
1924 schloss Popper auch eine Ausbildung zum Tischler ab und bestand die Gesellenprüfung erfolgreich. In der Ausstellung ist sein Gesellenbrief zu sehen, sowie ein Foto des Schranks, den er als Gesellenstück anfertigte und Zeit seines Lebens behielt.
1928 promovierte Popper mit seiner Dissertation „Zur Methodenfrage der Denkpsychologie“.
1930 heiratete er Josefine Anna Henninger (alias „Hennie“), und das Paar zog in die Wohnung von Hennies Eltern in der Anton-Langer-Gasse 46 in Hietzing. Im selben Jahr begann er als Lehrer für Mathematik und Physik zu unterrichten.
1934 veröffentlichte Popper „Logik der Forschung“, ein Werk, das ihn schlagartig berühmt machte und größtenteils in Hietzing entstand.
1936 zog die Familie in die Neukräftengasse 8, ebenfalls in Hietzing.
1937 flüchtete Popper mit seiner Frau nach Neuseeland, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Die Ausstellung zeigt ein berührendes Foto von Hennie an Bord des Schiffes, das sie in die Emigration brachte. Dieses Bild, das sie auf der Reling sitzend, in die unbekannte Zukunft blickend zeigt, hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck.
1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, kehrte Popper nicht nach Österreich zurück, sondern nahm eine Stelle an der London School of Economics and Political Science an.
1949 erhielt er dort eine Professur für Logik und wissenschaftliche Methodenlehre.
1976 nahm Popper die österreichische Staatsbürgerschaft wieder an.
1978 zeigt ein Foto der Ausstellung ein Treffen zwischen Popper und Bruno Kreisky.
1985 kehrte Popper nach Österreich zurück, nachdem seine Frau Hennie unheilbar erkrankt war und nicht im Ausland sterben wollte. Sie verstarb noch im selben Jahr, und Popper kehrte nach London zurück.
1994 starb Sir Karl Popper in London. Er wurde am Lainzer Friedhof, unweit vom ORF-Zentrum, neben seiner Frau Hennie bestattet.

Besonders faszinierend war für mich der musische Hintergrund Poppers, der in der Ausstellung beleuchtet wird. Seine Mutter, Jenny, war eine talentierte Pianistin, und Karl selbst komponierte in jungen Jahren eine Fuge für Orgel, um sich am Konservatorium zu bewerben – ein Vorhaben, das erfolgreich war, auch wenn er die Laufbahn als Berufsmusiker nicht weiterverfolgte. Doch ein „Möbelstück“, das immer in seiner Wohnung stehen musste, war ein Klavier.
Nun zu einer überraschenden Information, die mich in der Ausstellung wirklich staunen ließ: Die Ausstellung informiert über einen Mitschnitt der Uraufführung der oben erwähnten Orgelkomposition, gespielt von der Organistin Gillian Weir am 6 Juni 1991 (hier der Link). Im Klagenfurter Archiv befinden sich aber noch weitere, unveröffentlichte Kompositionen von Karl Popper. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Denker dieses Formats auch musikalische Werke hinterlassen hat, die bis heute auf ihre Uraufführung warten. Soll die Welt wirklich noch weitere 40 Jahre warten müssen, bis diese Werke gemeinfrei werden? Oder gibt es unter den Leser*innen vielleicht musikalisch begabte Humanistinnen, die sich dieser Herausforderung stellen möchten? Wenn ja, meldet euch – der Humanistische Verband Österreichs und ich persönlich werden alles versuchen, um Poppers Musik endlich zum Klingen zu bringen.
Zu den anderen Persönlichkeiten in der Ausstellung
Die Ausstellung enthält noch Informationstafeln zu folgenden Persönlichkeiten, die in Hietzing lebten und ein Jubiläum feiern:
Otto Glöckel (150. Geburtstag)
Paul Hörbiger (130. Geburtstag)
Pepi Kramer-Glöckner (150. Geburtstag)
Hans Moser (60. Todestag)
Hansi Niese (90. Todestag)
Lotte Rysanek (100. Geburtstag)
Franz Schmidt (150. Geburtstag)
Hilde Sochor (100. Geburtstag)
Oscar Straus (70. Todestag)
Weitere aktuelle Ausstellung im Bezirksmuseum
Eine eigene Ausstellung ist aktuell Friedrich Julius Bieber, dem Afrikaforscher gewidmet, die ich ebenfalls als sehr informativ empfehlen kann.
Im Kellergeschoß zeigt Richard Ruprecht einen Querschnitt seiner Werke der letzten 50 Jahren.
Informationen zum Bezirksmuseum Hietzing:
Der Eintritt in das Museum ist frei.
Die Popper-Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober besuchbar, vermutlich wird sie aber verlängert.
Ort: 1130 Wien, Am Platz 2/1
Öffnungszeiten: Mittwoch 14:00-18:00 Uhr, Samstag 14:00-17:00

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