Was war der größte unwissenschaftliche Unsinn des Jahres 2025? Bericht über die Preisverleihung „Das goldene Brett vorm Kopf“

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Das „Goldene Brett vorm Kopf“ ist ein satirischer Negativpreis für den größten unwissenschaftlichen Unfug, die extremste Pseudowissenschaft oder die hartnäckigste Verbreitung von Desinformation im deutschsprachigen Raum während des jeweiligen Jahres. Ziel der Veranstaltung ist es, Falschinformationen und Scharlatanerie mit Humor und kritischer Aufklärung zu begegnen.

Durch die Verleihung führte auch heuer in gekonnt witziger Form der Kabarettist Martin Puntigam von den Science Busters‬.

Wer nicht im Stadtsaal Wien die Veranstaltung live besuchen konnte, findet hier den Link zum vergnüglichen Nachschauen: https://youtu.be/oGcPAdsiTwk

Der Preis wird von den Wienern Skeptikern vergeben.
Das ist die Wiener Regionalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Der Humanistische Verband Österreich war auch heuer wieder Sponsor dieser genialen Veranstaltung. Wer das nachfolgende Bildchen anklickt, bekommt meine ca. 4minütige Vorstellung des HVÖ zu sehen:

Wer waren die Finalisten?

Im Finale um die heurige Verleihung des Preises „kämpften“:

1. der Verein „Einheit.at“

Die Laudatio hielt die Journalistin und Filmemacherin Verena Mischitz (Youtube Video – Minute: 51:00)

2. die „Schamanin Mariana M., alias „Amela“ (aktuelle auf der Flucht vor der Polizei)

Die Laudatio hielt der theoretische Physiker Prof. Dr. Mikhail (Misha) Lemeshko (Youtube Video – Minute: 1:00:21)

3. der Podcast von Hoss & Hopf

Die Laudatio hielt die Psychologin Maria-Christina Nimmerfroh (Youtube Video: 1:14)

Alle drei Laudator*innen betreiben interessante YouTube-Kanäle:

@Verena-Mischitz‬, ‪@maria-christinanimmerfroh4518‬, @ProfLemeshko

Publikumspreis

Über einen QR-Code konnte das Publikum live einen Publikumspreis vergeben. Auf der Liste standen Nominierte, die es nicht auf die Short-Liste für die Verleihung des Preises geschafft haben.

Für den Publikumspreis waren nominiert (Beginn der Vorstellungen der sieben Nominierungen ab Youtube Video Minute 23:21):

  • der Arzt Dr. Michael Spitzbart
  • Gregor v. Drabich (Ambition AG)
  • die FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch
  • Fabian Kowallik
  • Wirtschaftskammer Österreich
  • Neutrino Energy Group
  • Christian Poeschke.

Wer hat gewonnen?

Der Hauptpreis „Das goldene Brett vorm Kopf“ im Jahr 2025 ging an den Podcast „Hoss & Hopf”, der für seinen Hang zu Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaftlichkeit und das Schadenspotenzial bei der jungen Zielgruppe ausgezeichnet wurde.

Das Goldene Brett für sein Lebenswerk ging an Österreichs führenden Homöopathen Michael Frass. Die Laudatio hielt der Journalist Herbert Lackner (Youtube Video: 2:20).

Den Publikumspreis, den die Zuschauer im Stadtsaal auswählen konnten, ging an die FPÖ-Politikerin Dagmar Belakowitsch. Der Grund war wohl ein prägender Ausschnitt aus einer ORF-Report-Sendung vom 25.02.2025, der ein vulgäres („Schas“) und verschwörungskontamminiertes („von *** bezahlt kriegen“) Statement zeigte. Wenn man dieser Frau zuhört, muss man sich wirklich für die FPÖ für das Nieveau ihrer Gesundheitssprecherin fremdschämen. Youtube Video – Minute: 25:35

Begründungen für die Preisverleihungen der Jury

A. Warum wurde der Preis für das Goldenes Brett vor dem Kopf 2025 an den Podcast Hoss & Hopf verleihen?

Zitat aus der Pressemitteilung:

„Über 430.000 Abonnenten auf YouTube, ein Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste und gefüllte Arenen. Die Kritik, die Hoss & Hopf von vielen Seiten entgegenkommt, scheint den Podcastern nicht geschadet zu haben. Kiarash Hossainpour und Philip Hopf starteten wie viele “Finfluencer” ihre Social-Media-Karrieren mit Krypto-Tipps und umstrittenen Werbepartnern. Der gemeinsame Podcast entwickelte sich allerdings vom Thema Wirtschaft und Geld schnell hin zu gesellschaftspolitischen Themen. Insbesondere in ihrem Hang zu kruden Verschwörungstheorien und ihrem Faible für antiwissenschaftliche Statements erfüllen sie die Kriterien für die Vergabe des Goldenen Bretts vorm Kopf.

Ein Rockefeller habe zugegeben, seine Familie habe den Feminismus erfunden, um die traditionelle Familie zu zerstören; Joe Biden habe sich einen Atombunker bauen lassen; Deutschland habe mehr Flüchtlinge aufgenommen als die restliche EU zusammen – nachdem Hoss & Hopf diese und weitere Unwahrheiten nachgewiesen worden waren, gelobten die beiden Podcaster Besserung und versprachen, zu jeder weiteren Folge umfassende Quellenangaben bereitzustellen und rigorose Faktenchecks durchzuführen. Trotzdem geriet ein Beitrag zu angeblichen neuen Erkenntnissen, die gegen den anthropogenen Klimawandel sprächen, zu einem derartigen Schwurbeldesaster, dass sie sich gezwungen sahen, später die ganze Folge zu entfernen. Im darauffolgenden Beitrag, in dem die beiden sich für ihre selbstkritische Einsicht abfeiern, beharren sie aber weiterhin darauf, dass es „spannend“ wäre, einen Leugner des Klimawandelkonsenses in die Sendung einzuladen, denn in der Wissenschaft ändere sich ja ohnehin dauernd alles. In diesem Verhalten sieht die Jury des Goldenen Bretts die Kriterien Pseudowissenschaftlichkeit und Kritikresistenz erfüllt.

Immer noch online sind nämlich jene Folgen, in denen Hoss & Hopf sich über die Pandemie auslassen. Masken hätten rein gar nichts gebracht, und von Anfang an habe die Impfung eine Ansteckung oder eine Übertragung des Coronavirus niemals verhindert. Trotz Ende der Pandemie sei die Übersterblichkeit in Deutschland „seit Jahren massiv“, meinen die beiden, präsentieren eine Grafik, die statt der aktuellen die kumulierte Übersterblichkeit der letzten fünf Jahre zeigt, und bringen das irgendwie mit der Impfung in Zusammenhang. Die „Schwurbler“ hätten eigentlich in allem Recht behalten und inzwischen wüsste die CIA sogar, dass Corona aus einem „Biowaffen-Labor“ stamme. Die Vogelgrippe übrigens auch.

Black Forest sei die „beste Wassermarke“ in Deutschland, weil sie so wenige Mineralstoffe enthalte, so Hopf in einer weiteren Folge. „Das ist ein Wasser, das quasi fast leer ist. Das ist wie ein trockener Schwamm, der, wenn er in deinen Körper reingeht, dann die ganzen Schadstoffe mit rausnehmen kann.“ Vom Stern mit der Frage konfrontiert, woher er diese „Information“ habe, verlegte sich Hopf auf glattes Leugnen. „Diese Aussage wurde von mir so nicht getroffen“, behauptete er. Er habe nur gesagt, dass mineralstoffarmes Wasser Schadstoffe im Körper aufnehmen und ausleiten kann, das sei der „Entschlackungseffekt“. Dass es im Körper keine Schlacken gibt und Wasser keine solche Entgiftungsfunktion hat, ist den Hoss & Hopf‘schen Faktencheckern wohl entgangen.

Der Grad der Abwegigkeit, ein weiteres Kriterium für das Goldene Brett, kann noch gesteigert werden. Generell diskutieren die Preisträger jede in den sozialen Medien kursierende Verschwörungstheorie auf eine Art und Weise, die suggeriert, dass da ja offensichtlich schon irgendwas dran sei, auch wenn sie sie sich nicht explizit zu eigen machen. Der Great Reset von der Finanzelite heimlich geplant? Brigitte Macron ein biologischer Mann? Flug MH 370 aus Geldgier von den Rothschilds zum Absturz gebracht? Kein Verschwörungsgelaber ist absurd genug, um von Hoss & Hopf nicht wohlwollende Unterstützung zu erfahren. Die Argumente der Verschwörungsmythenanhänger werden von ihnen stets minutiös ausgewalzt, während widersprechende Fakten marginalisiert oder gleich ganz ignoriert werden.

Durch ihre hohe Reichweite, die durch zahlreiche Fan-Accounts noch gesteigert wird und auf YouTube, Spotify, Instagram und insbesondere TikTok ein junges Publikum anspricht, sind auch die Kriterien Aktionsradius und Schadenspotential erfüllt. Deshalb ist der Podcast in den Augen der Jury ein würdiger Preisträger des Goldenen Bretts 2025.“

B. Warum wurde der Preis des Goldenes Brett für sein Lebenswerk an Homöopathen Michael Frass verliehen?

Zitat aus der Pressemitteilung:

„Der Preis für das Lebenswerk geht dieses Jahr an den pensionierten Arzt und Homöopathen Dr. Michael Frass für seinen langjährigen und unbelehrbaren Einsatz für die wirkungslose Scheinmedizin Homöopathie. Sein Wirken der letzten Jahrzehnte hat der Homöopathie in der heimischen Öffentlichkeit einen vermeintlich wissenschaftlichen Anstrich verliehen.

Kommen Globuli sonst hauptsächlich bei Bagatellbeschwerden zum Einsatz, die meist von selbst ausheilen, so sprach sich Frass wiederholt für den Einsatz von Homöopathie selbst in der Intensivmedizin und als Therapie-Option bei Krebs oder Sepsis aus. Frass war lange Zeit Koordinator des Wahlfachs „Komplementärmedizin“ an der Medizinischen Universität Wien, das 2018 von dieser endlich aus dem Vorlesungsverzeichnis gestrichen wurde, nachdem Studierende es wiederholt als reine Werbeveranstaltung für Homöopathie kritisiert hatten. Zwischendurch betätigte sich Frass auch als Werbeträger für einen esoterischen und völlig wirkungslosen „Bio-Computer“. Zuletzt gab es eine intensive akademische Kontroverse um Frass, da Mitglieder der Initiative für Wissenschaftliche Medizin nachweisen konnten, dass in einer Studie über den Einsatz von Globuli bei Patienten mit Lungenkrebs die Daten manipuliert worden waren. Eine Untersuchung der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität bestätigte die Vorwürfe. Trotz dieses Nachweises von wissenschaftlichem Fehlverhalten wurde die Studie vom Journal The Oncologist bis heute nicht zurückgezogen.“

Rückfragen und Kontakt zur Preisverleihung „Das Goldene Brett“ an Michael Horak, kopf@goldenesbrett.guru

2 Antworten zu „Was war der größte unwissenschaftliche Unsinn des Jahres 2025? Bericht über die Preisverleihung „Das goldene Brett vorm Kopf“”.

  1. Avatar von Jochen Lengerke
    Jochen Lengerke

    Lieber Clemens,

    besten Dank für den Einblick in den größten Unsinn des Jahres 2015. Zum Thema „Homöopathie“ fällt mir regelmäßig ein drastisch treffendes Bonmot meines Vaters – wie ich Facharzt für Orthopädie – ein:

    Homöopathie ist, wenn der Bauer übers Feld geht, einen fahren lässt und meint, er habe gedüngt.

    Liebe Grüße

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    1. Avatar von clemenslintschinger

      Den Spruch werde ich merken!!!! Großartig

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