Den Debattierclub „Philosophie im VII.“, bei dem keine Vorträgen gehalten werden, sondern die Besucher*innen an Diskussionen teilnehmen können (oder auch nur diesen zuhören wollen), habe ich hier schon vorgestellt. Den kommenden Sonntag darf ich wieder die Diskussion moderieren. Als Thema habe ich mir ein Phänomen ausgewählt, das mir oft in Diskussionen begegnet und worüber ich als Humanist reflektieren möchte.
Whataboutism – Ablenkungsmanöver oder notwendige Doppelmoral-Kritik?
„Whataboutism“ bezeichnet die rhetorische Strategie, einer Kritik nicht inhaltlich zu begegnen, sondern durch den Verweis auf ein vermeintlich analoges Fehlverhalten abzulenken. Der Begriff entstand während des Kalten Krieges als Bezeichnung für eine sowjetische Propagandataktik, bei der Kritik am eigenen System mit Gegenfragen zu Missständen im Westen (oft eingeleitet mit „What about…“ – „Was ist mit…“) abgewehrt wurde. Auch heute ist das Phänomen noch allgegenwärtig. Eine Person will über den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine reden, prompt wird dieses Unrecht aufgerechnet mit der völkerrechtswidrigen Aggression der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Gespräch hat sich verschoben – nun geht es um die USA, statt um den russischen Angriffskrieg. Statt zu sagen: „Ja, das ist ein Problem“, heißt es: „Aber andere machen es auch.“ Am Sonntag soll aber nicht über den Ukraine-Krieg gesprochen werden, sondern wir wollen den rhetorischen Trick philosophisch untersuchen, wobei mir der humanistische Aspekt wichtig ist. Whataboutism ist eine Strategie der Entlastung oder Relativierung – Humanismus tritt für Wahrheit und Verantwortung ein. Aber ist Whataboutism immer ein Fall der schwarzen Rhetorik oder kann er manchmal eine legitime argumentative Funktion erfüllen? Und wie schützen wir uns in Gesprächen vor einer Rhetorik, die den Fokus verlagert?
Ort: Café Kreuzberg, Neustiftgasse 103, 1070 Wien
Zeit: 29.03.2026 (Son), 16:00 Uhr
Eintritt: 5,00 EUR

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