Rätsel #2 | Was will uns der Bildhauer sagen?

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Zeit für ein neues Rätsel: Heute gibt es gleich 11 Kopfnüsse zu lösen. Viele Fragen, aber es ist auch eine Woche Zeit bis zur Auflösung.

Bitte, sehe dir zuerst die 3 nachfolgenden Fotos an:

Nein, ich werde nicht danach fragen, wer diese Kleinskulptur erschaffen hat. Das wäre eine unfaire Frage, denn der Werkurheber ist weitestgehend unbekannt. Wolfgang Hugo Rheinhold (26.03.1853 – 02.10.1900) war ein spätberufener Bildhauer und philosophischer Denker aus Deutschland. Erst wenige Jahre vor seinem frühen Tod mit 47 Jahren begann der Geschäftsmann neben einem Philosophiestudium auch ein Kunststudium an der Berliner Königlichen Hochschule der bildenden Künste. Tatsächlich ist die Figur des kleinen Pavians sein Meisterstück, also eine Prüfungsarbeit aus dem Jahr 1893. In der kurzen Periode seiner Schaffenszeit gestaltete Rheinhold noch eine Reihe weiterer bemerkenswerte Werke wie etwa die „Lesenden Mönche“. Als Jude protestierte er mit seinen Werken mutig gegen den Antisemitismus, später rächen sich die Nazis posthum an ihn, da sie sein Werk zum Teil für die Rüstungsindustrie einschmelzten.

Im heutigen Rätsel geht es um die Interpretation dieser Kleinskulptur, die als Replik nicht nur auf meinem Schreibtisch steht. Eine noblere Ausfertigung als die meinige zierte einst auch im Kreml den Schreibtisch des sowjetrussischen Ministerpräsidenten Wladimir Iljitsch Lenin, der das nachdenkliche Äffchen von einem Geschäftsmann als Geschenk bekommen hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Bildhauer verarbeitete in seinem Werk viele Botschaften. In einer Kunstchronik wird es als „Kabinettstück überlegenen Humors“ beschrieben. Wir wollen versuchen, uns den Humor des philosophisch geschulten Bildhauers zu ergründen.

Der Affe sitzt auf einem Bücherberg, wobei ein Buch aufgeschlagen und folgender Satz zu lesen ist: „Eritis sicut Deus“. Woher stammt das Zitat, das auch schon Goethe in Faust I rezipierte (Frage 1)?

Wer hat sie gesprochen (Frage 2)?

Wenn du die Originalstelle kennst, weißt du auch, dass der Künstler den zweiten Teil des Zitats nicht mehr anführt, was ich für die Interpretation des Werkes für wichtig halte. Wie lautet also das vollständige Zitat (Frage 3)?

Der Betrachter des Werkes wird zwangsläufig an eine Skulptur erinnert, die ein berühmter Bildhauer, ein Zeitgenosse von Rheinhold rd. 11 Jahre zuvor erschaffen hatte. Welchen Titel trägt diese Skulptur (Frage 4) und wie heißt der Künstler (Frage 5), der von 1840 bis 1917 lebte?

Augenfälliger Unterschied zwischen den beiden Figuren ist nicht nur, dass bei Rheinhold ein Affe und kein Mensch die denkende Position einnimmt, sondern auch, dass der Affe einen Menschenschädel in der Hand hält. Wiederum werden wir an ein bekanntes Topos erinnert, nämlich an eine Friedhofszene aus einem weltberühmten Bühnenwerk. Welches Trauerspiel ist gemeint (Frage 6)? Welche berühmten Worte, die wohl auch der Affe denken soll, spricht der Protagonist in diesem Stück (Frage 7)? Wenn Rheinhold mit dem Schädel wirklich auf dieses Zitat Bezug nehmen wollte, welchem Irrtum wäre er dann verfallen (Frage 8)?

Rheinhold war nicht nur Künstler, sondern studierte auch Philosophie. Vielleicht wollte der Künstler mit dem Schädel etwas ganz anderes verbildlichen. Oft steht in der Kunst der Knochenschädel für die Vorstellung der Vergänglichkeit alles Irdischen. Die Menschen sollen daran erinnern werden, ihre Eitelkeiten aufzugeben, weil letztlich alles nichtig und vergeblich ist. Wie nennt man dieses Motiv (Frage 9)?

Mit seinem Fuß umgreift der Affe einen Zirkel, der vermutlich hier nicht als Freimaurerzeichen zu verstehen ist, sondern als Symbol für die Forschung. Auf dem Buchrücken eines Buches, auf dem der Affe sitzt, steht in großen Buchstaben DARWIN geschrieben. Charles Darwins fälschliche Annahme war es, dass der Mensch vom Affen abstammt. Mit seiner Referenz auf Darwin hat der Bildhauer die Evolutionstheorie zum Thema seines Werkes gemacht. Welche philosophische Weltauffassung, die den Menschen in den Mittelpunkt des Universums stellt, wird von der Evolutionsthese, die inzwischen längstens keine These mehr ist, in Frage gestellt (Frage 10)?

Mein Äffchen ist nur ein kleines Replik-Derivat, das vom Original abweicht. Eine viel größere Replik wurde vom Konzeptkünstler Klaus Weber erschaffen. Und diese steht in einem öffentlichen Park einer Donaustadt. Das Städtchen ist aber für eine andere Skulptur bekannt. Dabei handelt es um ein Denkmal in Form eines Brunnen. Das Wasserkunstwerk zeigt das erste Treffen einer Königin mit einem König. In welcher Stadt (Frage 11) befindet sich also die große Replik, die man im Zuge eines Spaziergangs an der Donau besuchen kann (wenn man die Abzweigung zum Wasserpark nicht sonnenversunken versäumt)?

Mitmachbedingungen: Kein Google, kein Wikipedia, keine Bildrückverfolgung, kein Lesen der Antworten in den Kommentaren!

Antworten: Eure Antworten schreibt gerne auf dieser Plattform oder als Kommentar auf meinem humanistischen Blog.

Auflösung: Die Auflösung erfolgt am 18.11.2023 als up-date dieses Blogbeitrags auf meiner Blog-Webseite https://clemens-lintschinger.eu/blog-vlog/

Preis für die richtigen Antworten: Zufriedenheit über das bereits erworbene Wissen

Trostpreis für falsche Antworten: Freude, neues Wissen erfahren zu haben

UP-Date 18.11.2023: Auflösung des Rätsels #2

Antworten in der Reihenfolge der Fragen:

  • Aus der Vulgata (Liber Genesis 3,5)
  • Die Schlange sagt den Satz, um die Neugierde Evas zu erwecken.
  • Eritis sicut deus scientes bonum et malum / Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist
  • Der Denker
  • Auguste Rodin
  • Hamlet – in der Friedhofsszene (3. Aufzug, 1. Szene.) hält Hamlet den Schädel des Hofnarren in der Hand
  • Sein, oder Nichtsein, das ist hier die Frage
  • „Sein, oder Nichtsein, das ist hier die Frage“, sagt Hamlet tatsächlich im 5. Akt, 1. Szene und nicht in der Friedhofsszene
  • Vanitas-Motiv
  • Anthropozentrismus
  • Tulln (Dort wurde das Nibelungendenkmal bzw. der Nibelungenbrunnen errichtet. Die riesige Bronzeskulptur des Bildhauers Michail Nogin zeigt die Begegnung von Kriemhild, der Burgunderkönigin mit dem Hunnenkönig Etzel in Tulln, von welcher die Nibelungensaga berichtet.)

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Weitere Rätsel:

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2 Antworten zu „Rätsel #2 | Was will uns der Bildhauer sagen?”.

  1. Avatar von Christine
    Christine

    Rätsel ist super aber schwer!

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  2. Avatar von Rätsel 11 I Wenn die Moral über Bord geht – Clemens Lintschinger

    […] Zum Rätsel #2 I Was will uns der Bildhauer damit sagen? […]

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