Zeit für ein neues Rätsel: Der amerikanische Philosoph Norman Malcolm (1911-1990) ist bei uns in Europa vielen Menschen nur ein Begriff, weil er mit dem bedeutenden österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889-1951) befreundet war. In seinem Buch „Erinnerungen an Wittgenstein“ berichtet er von dieser Freundschaft.
Sie verbrachten eine gemeinsame Zeit in Cambridge und über ein Gespräch im Zuge eines nächtlichen Spaziergangs schreibt Malcolm Erstaunliches. Wittgenstein soll auf ein Sternbild gezeigt haben, das wie ein “W” ausschaut und dazu gemeint haben, es bedeute Wittgenstein. Malcolm habe schlagfertig geantwortet, dass er geglaubt habe, dass es eigentlich ein verkehrt herum geschriebenes „M“ sei, und es bedeute Malcolm. Wittgenstein solle ernsthaft (!) Malcolm versichert haben, dass er sich irre.
Ich lasse die Anekdote einmal so stehen, da sie schwer zu glauben ist. Es war Wittgenstein, der ungekrönte König der Sprachphilosophen, der schrieb: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Andererseits war Wittgenstein sicherlich kein Exponent der Fraktion der bescheidenen Philosophen. Als ihm in Cambridge erlaubt wurde, über seinen berühmten Tractatus logico-philosophicus zu promovieren, soll er seinen Prüfern, darunter auch Bertrand Russel, nach der mündlichen Prüfung auf die Schulter geklopft und gesagt haben: „Nehmen Sie es nicht so schwer. Ich weiß, dass Sie [den Tractatus] wohl nie verstehen werden.“
Meine leichten Fragen lauten:
- Welches Sternbild mit 5 Hauptsternen bilden ein markantes W oder M am nächtlichen Nordhimmel?
- Die Spitze in der Mitte zeigt in Richtung welchen Sterns?
- Welche Charakterschwäche der Namensgeberin hat lt. griechischer Mythologie fast zum Tode ihrer Tochter geführt?
Bonusfrage (schwer):
- Wenn man an die Sprachphilosophie Ludwig Wittgenstein denkt, was sind das für Sätze lt. seiner Nomenklatur? A) “Die Sterne bilden ein W” B) “Das W bedeute Wittgenstein.”
***
Mitmachbedingungen: Kein Google, kein Wikipedia, keine Bildrückverfolgung, kein Lesen der Antworten in den Kommentaren!
Antworten: Eure Antworten schreibt gerne auf dieser Plattform oder als Kommentar auf meinem humanistischen Blog.
Auflösung: Die Auflösung erfolgt am 31.12.2023 als up-date dieses Blogbeitrags auf meiner Blog-Webseite https://clemens-lintschinger.eu/blog-vlog/
Preis für die richtigen Antworten: Zufriedenheit über das bereits erworbene Wissen
Trostpreis für falsche Antworten: Freude, neues Wissen erfahren zu haben
***
UP-Date 31.12.2023: Auflösung des Riddle #6
- Es ist das Sternbild Kassiopeia.
- Die Spitze in der Mitte des W zeigt in Richtung Nordpolarstern.
- Es ist das Laster der Eitelkeit. Die Geschichte dahinter geht knapp zusammengefasst so:
Eine eitle Königin namens Kassiopeia zog den Zorn der Götter auf sich, als sie behauptete, noch schöner als die Meeresnymphen zu sein. Diese beschwerten sich beim Gott Poseidon, der ein schreckliches Meeresungeheuer ausschickte, um die Küste des Landes zu verwüsten. Die Menschen gerieten in Panik, das Königshaus musste handeln. Ein Orakel verkündet als letzten Ausweg, die gefallsüchtige Königin müsse ihre einzige Tochter dem Ungeheuer opfern. Werde Andromeda, so hieß das Töchterlein, dem Untier ausgeliefert, nehme die Zerstörung ein Ende, weissagte das Orakel. Also wurde das unschuldige Mädchen an einen Felsen gekettet und es erwartete tapfer, aber in großer Angst das menschenfressende Meeresungeheuer. Der Held Perseus, bereits im Besitz des abgeschlagenen Kopfes der Medusa, befand sich zufällig in der Gegend. Er eilte herbei, da er gerade nicht Heldenhafteres zu tun hatte und tötete ohne großen Mühen die Bestie mit seiner Wunderwaffe. Zum Lohn durfte er die Königstochter zur Frau nehmen. Andromeda wurde nicht gefragt, ob sie das überhaupt will. Es soll aber eine lange und harmonische Ehe mit vielen Kindern geworden sein.
Ob Poseidon sich rächte, weil Perseus sein Ungetier tötete und Kassiopeia letztendlich für ihre Hybris nicht bestraft wurde, weiß ich nicht. Gott Poseidon scheint in Lethargie verfallen zu sein.
- Wittgenstein unterscheidet u. a. sinnvolle und unsinnige Sätze. Sinnvolle Sätze können die Welt beschreiben, indem sie Sachverhalte ausdrücken. Zu den sinnvollen Sätzen zählen Elementarsätze. Das sind Sätze, die einen einzelnen Sachverhalt darstellen. Sie bestehen aus Namen, die Gegenstände oder Sachverhalte bezeichnen, und logischen Operatoren, die die Beziehungen zwischen diesen Gegenständen oder Sachverhalten ausdrücken. Zusammengesetzte Sätze sind Sätze, die aus Elementarsätzen zusammengesetzt sind. Unsinnige Sätze sind entweder pseudosinnige Sätze, also Sätze, die zwar aus sinnvollen Elementen zusammengesetzt sind, aber keinen Sachverhalt darstellen. Sie sind unsinnig, weil sie entweder einen logischen Fehler enthalten oder weil sie sich auf etwas beziehen, was es nicht gibt. Unsinnige Sätze sind auch metaphysische Sätze, also Sätze, die über die Welt hinausgehen. Sie sind unsinnig, weil sie sich auf Sachverhalte beziehen, die nicht in der Welt existieren können.
- “Die Sterne bilden ein W” ist ein sinnvoller Satz, weil sie einen Sachverhalt ausdrücken. Dass es willkürlich und irrational ist, zwischen diesen Sternen eine Linie zu bilden, ist nicht relevant.
- Der Satz “Das W bedeute Wittgenstein” ist ein unsinniger, metaphysischer Satz, weil er sich auf keinen Sachverhalt in der Welt bezieht.
***
Weitere Rätsel:
- Zum Rätsel #1 I Ort der letzten Ruhe
- Zum Rätsel #2 I Was will uns der Bildhauer damit sagen?
- Zum Rätsel #3 I Kennst du diese Sehenswürdigkeit?
- Zum Rätsel #4 I Heute wird es rührselig
- Zum Rätsel #5 I Eine unheimliche Geschichte
- Zum Rätsel #7 I Genie oder Trickser oder beides?
- Zum Rätsel #8 I Trinken, Spiele und Sex zur Preisung Gottes
- Zum Rätsel #9 | Über einen vergessenen Humanisten und Menschenfreund
- Zum Rätsel #10 I Ein Sonntagskreuzworträtsel für Humanist*innen
- Zum Rätsel #11 I Wenn die Moral über Bord geht
- Zum Rätsel #12 I Über den Zweck des Strafens
***
Zu meinem humanistischen Blog/Vlog für weitere Beiträge, Buchrezensionen und Rätsel
Zu meinem Trostbuch für Transzendenzskeptiker bei Ängsten und Trauer: „Atheistisch glücklich sterben“

Hinterlasse einen Kommentar