Zeit für ein neues Rätsel: Rom, 62 vor unserer Zeitrechnung. Die Stadt liegt in einer Dezembernacht in tiefem Schlaf, doch im Haus eines angesehenen Politikers – einem Mann, der das religiöse Oberhaupt der Stadt ist – herrscht emsiges Treiben. Leise Schritte auf den Mosaikböden, das flimmernde Licht der Öllampen, gespannte Flüstergespräche. Und vor allem: Keine Männer weit und breit. Denn heute wird ein geheimes Fest zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit, Heilung, Jungfräulichkeit und der Frauen gefeiert – ein Mysterienkult, der ausschließlich für Frauen bestimmt ist. Der Hausherr ist nicht anwesend, die Statuen männlicher Götter wurden verhüllt, und nicht einmal männliche Tiere dürfen sich blicken lassen.
Jahre später, in der Spätantike und im frühen Mittelalter, wird diese Göttin zum Ziel christlicher Polemik, denn die heilige apostolische Kirche wünscht sich, dass nur noch die Gottesmutter verehrt wird. Doch in der Zeit der späten römischen Republik war ihre Verehrung noch fester Bestandteil des römischen Staatskults.
Ganz ohne den Pontifex Maximus übernimmt die Hausherrin, eine elegante Patrizierin, die Verantwortung für den Ablauf des heiligen Festes. Musik erklingt, Opfergaben werden dargebracht. Doch plötzlich bleibt einer Dienerin der Atem stehen. Sie starrt verdutzt auf ein neues Gesicht: Eine vermeintliche Musikerin mit einem etwas markanten Kinn – oder vielleicht einem zu nervösen Blick – verhält sich auffällig. Und dann: Die Dienerin entdeckt behaarte, muskulöse Unterarme. Enttarnt! Ein junger römischer Adliger hat sich unter die Frauen gemischt – wohl wissend, dass er ein religiöses Tabu bricht. Angeblich sei es ihm um Liebe und ein amouröses Abenteuer gegangen. Andere behaupten, es sei eine Machtdemonstration gegenüber dem Pontifex Maximus gewesen. Oder war es bloße jugendliche Unbesonnenheit? In jedem Fall: Der Skandal war perfekt.
Böse Gerüchte machen rasch die Runde. Der Hausherr – bekannt für seinen Ehrgeiz und seine Skrupellosigkeit – lässt sich nicht lange bitten. Er trennt sich umgehend von seiner zweiten Frau. Seine Begründung geht in die Annalen ein: Auf die Frau des Pontifex Maximus darf nicht einmal der kleinste Verdacht fallen.
Der ungebetene Gast wird angeklagt, doch – Überraschung! – trotz aller Beweise wird er freigesprochen. Nicht durch göttliches Eingreifen, sondern durch schlichtes Geld. Der Angeklagte kann der Verurteilung durch Bestechung entgehen. Der Vorfall verdeutlicht die bereits fortgeschrittene Erosion republikanischer Werte in dieser Zeit.
Der Frevler selbst erlebte durch den Skandal jedenfalls keinen langfristigen Schaden. Er stammte aus der Familie der Claudier, einem römischen Uradel. Doch um Volkstribun zu werden, verzichtete er auf seinen Status als Patrizier und ließ sich von einem fast gleichaltrigen Plebejer adoptieren. Seine politischen Gegner, darunter Cicero und Cato, konnte er zumindest zeitweise entmachten.
Die Fragen:
- Wer war der berühmte Ehemann bzw. Pontifex Maximus, der sich wegen dieses Skandals von seiner Frau scheiden ließ?
- Unter welchem Namen ist der Skandal bekannt bzw. für welche Göttin wurde das Fest, an der Männer unter keinen Umständen teilnehmen durften, gefeiert?
- Wie hieß der Eindringling, der später Volkstribun wurde und sich zeitweise gegenüber Cicero und Cato durchsetzen konnte, was ganz im Sinne des Pontifex Maximus war?
- Warum unterstützte später der Pontifex Maximus den Religionsfrevler und vermeintlichen Freier seiner Frau?
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Update: Die Antworten auf die Fragen dieses Rätsel findest du ab sofort am Ende des Beitrags.
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Auflösung:
Die Lösung der Wissensfragen wird am 24.04.2025 ab 19:00 Uhr als Update auf der humanistischen Blog-Webseite veröffentlicht. Scrolle bis zum Ende des Beitrags, um die Antwort zu sehen. Vielen Dank!
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Auflösung:
Frage 1: Wer war der berühmte Ehemann bzw. Pontifex Maximus, der sich wegen dieses Skandals von seiner Frau scheiden ließ?
Der betrogene Ehemann war der Totengräber der römischen Republik und spätere Massenmörder Gaius Iulius Caesar, zu diesem Zeitpunkt Pontifex Maximus, also oberster Priester des römischen Staatskults.
Frage 2: Unter welchem Namen ist der Skandal bekannt bzw. für welche Göttin wurde das Fest, an der Männer unter keinen Umständen teilnehmen durften, gefeiert?
Es handelt sich um das Fest „Bona Dea“, also die Feier zur „guten Göttin“ – ein exklusives Ritual für Frauen, geheimnisumwittert und streng tabuisiert. Männer hatten Hausverbot. Die Anwesenheit eines Mannes war daher nicht nur ein gesellschaftlicher, sondern ein sakraler Tabubruch – was Caesar natürlich öffentlich nicht hinnehmen konnte.
Frage 3: Wie hieß der Eindringling, der später Volkstribun wurde und sich zeitweise gegenüber Cicero und Cato durchsetzen konnte, was ganz im Sinne des Pontifex Maximus war?
Publius Clodius Pulcher, ein charismatischer Aristokrat mit ausgeprägtem Sinn für Selbstinszenierung, Volkstribun und berüchtigter politischer Unruhestifter, war der Hauptakteur des Bona-Dea-Skandals. Dieser Skandal führte nachweislich dazu, dass sich Caesar von seiner Frau Pompeia trennte, um jeden Verdacht von sich und seinem Haus abzuwenden. Darüber hinaus kursierten, vor allem aus dem Umfeld seines Rivalen Cicero, Gerüchte über eine inzestuöse Beziehung zwischen Clodius und seiner Schwester Clodia. Faktisch gesichert ist jedoch lediglich, dass auch Clodias Ehemann, der prominente Feldherr Lucullus, sich von ihr scheiden ließ. Zwischen Lucullus und Clodius bestand eine persönliche Fehde, die unter anderem durch eine von Clodius angezettelte Meuterei während eines Feldzugs verschärft wurde.
Frage 4: Warum unterstützte später der Pontifex Maximus den Religionsfrevler und vermeintlichen Freier seiner Frau?
Obwohl Clodius als Eindringling in Caesars Haus und als mutmaßlicher Liebhaber seiner Frau Pompeia galt, ließ Caesar ihn nach dem Skandal relativ ungeschoren davonkommen und sorgte lediglich für die rasche Scheidung von Pompeia. Julius Caesar unterstützte Clodius trotz des Ehebruchverdachts, weil er strategische politische Ziele verfolgte. Clodius entwickelte sich nach dem Skandal zu einem der bedeutendsten popularen Politiker Roms und wurde zu einem wichtigen Gegenspieler der konservativen Optimaten im Senat, insbesondere von Cicero und Cato. Caesar erkannte die strategischen Vorteile, Clodius als Verbündeten zu gewinnen. So unterstützte Caesar Clodius’ Übertritt von der Patrizier- zur Plebejerklasse, um ihm das Amt des Volkstribunen zu ermöglichen – ein Schritt, der Clodius in die Lage versetzte, gezielt gegen Caesars politische Gegner wie Cicero vorzugehen. Caesars Unterstützung für Clodius war also weniger von persönlichen Motiven oder Nachsicht geprägt, sondern diente dem Ziel, die republikanische Ordnung zugunsten seiner eigenen Machtposition zu destabilisieren und die Kontrolle über Rom zu gewinnen.

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