Rätsel #7 | Genie oder Trickser oder beides?

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Rätsel Nummer 7

Zeit für ein neues Rätsel: In meinem heutigen Rätsel wird eine Person gesucht, von der vermutlich jeder Mensch, der eine Schule besuchen durfte, gehört hat. Insofern ist es womöglich das leichteste Rätsel, das ich bisher gestellt habe. Und doch wird eine Facette dieser Person beleuchtet, die nicht so bekannt ist, weshalb dieses Rätsel keine reine Schreibübung ist und vielleicht doch den einen oder anderen verblüffen wird. Also, ratet bitte mit!

An Lebensdaten werde ich nicht viel verraten. Die gesuchte Person war männlichen Geschlechts und lebte im Zeitalter der Renaissance. Heute wird sein Name mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt; zu Lebzeiten wurde er von den vielen Menschen zutiefst gehasst. Noch Jahrhunderte nach seinem Tod waren seine Schriften verboten.

Wer seinen Namen hört, denkt an einen kämpferischen Wissenschaftler, und das stimmt auch zu 100%. Aber es gibt die andere Seite dieses Genies, die so gar nicht wissenschaftlich integer anmutet. Um es geradezu und unbeschönigt auf den Punkt zu bringen: Die gesuchte Person war auch ein Lügner, was aber in ihrer Darstellung im Allgemeinen verschwiegen bzw. höflich übergangen wird. Doch selbst in diesem Jahrhundert, als Standards, wie wir sie heute für wissenschaftliche Tätigkeit kennen und praktizieren, noch gänzlich unbekannt waren, sind die Methoden dieser genialen Ausnahmeerscheinung „kritikwürdig“ gewesen. Das liegt nicht an ihrer bösen Absicht oder weil die Person persönliche Vorteile für sich erringen wollte. Nein, es war ein Schummeln im Dienste des Erkenntnisfortschritts, was aus heutiger Sicht aber genauso unredlich ist.

Das Genie vertraute auf seine Beobachtungen, logischen Ableitungen und mathematischen Berechnungen. Einmal schrieb die gesuchte Person: „Ich bin auch ohne Versuch gewiss, dass das Ergebnis so ausfällt, wie ich Euch sage, denn es muss so ausfallen“. Oder auch: „Es ist nutzlos, das Experiment zu machen. Wenn ich es euch sage, dürft ihr es glauben“.

Die experimentelle Beweisführung war nach den damaligen Mitteln nicht immer möglich oder zu aufwendig. Für sein Publikum erfand der große Denker in manchen Fällen die „Beweise“. Seine Gedankenexperimente stützte er auf Experimente, die er zum Teil minutiös und präzise beschrieb, aber tatsächlich nie durchgeführt hatte. Wissenschaftler, die diese Experimente Jahrhunderte später nachvollzogen, erkannten, dass sie nicht funktionierten. Das gilt selbstredend nicht für alle Experimente dieses Wissenschaftlers. Der große Denker hat viele Versuchsreihen entworfen und durchgeführt. Aber das Genie imaginierte auch gerne Messergebnisse (mal mit Kugeln, mal mit Pendeln) und behauptete fälschlich, die Messergebnisse hundertfach, auch tausendfach nachgeprüft zu haben.

Und doch gilt diese Person für Wissenschaftstheoretiker und Historiker als Vater der modernen experimentellen Methode. Ihm sei es zu verdanken, dass physikalische Theorien zuerst mit Experimenten überprüft werden, um anschließend mit der Mathematik bewiesen zu werden.

Leichte Fragen:

  1. Frage: Wer ist die gesuchte Person?
  2. Frage: Wofür ist sie berühmt geworden?

Bonus-Frage (schwierig):

  1. Beispiel für ein erfundenes Experiment?

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Mitmachbedingungen: Kein Google, kein Wikipedia, keine Bildrückverfolgung, kein Lesen der Antworten in den Kommentaren!

Antworten: Eure Antworten schreibt gerne auf dieser Plattform oder als Kommentar auf meinem humanistischen Blog.

Auflösung: Die Auflösung erfolgt am 20.01.2024 als up-date dieses Blogbeitrags auf meiner Blog-Webseite https://clemens-lintschinger.eu/blog-vlog/ (Zur Auflösung daher bis zum Ende des Rätsels runterscrollen)

Preis für die richtigen Antworten: Zufriedenheit über das bereits erworbene Wissen

Trostpreis für falsche Antworten: Freude, neues Wissen erfahren zu haben

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Up-Date: 20.01.2024 AUFLÖSUNG des Rätsels

Antwort auf Frage 1: Galileo Galilei (1564-1641) war ein italienischer Universalgelehrter, Physiker, Astrophysiker, Mathematiker, Ingenieur, Astronom, Philosoph und Kosmologe. Er gilt als einer der wichtigsten Begründer der neuzeitlichen Naturwissenschaften. Er praktizierte die Methode, die Natur durch die Kombination von Vorhersagen durch Gedankenexperimente, Experimenten, Messungen und mathematischen Analysen zu erforschen.

Antwort auf Frage 2: Galileo Galilei betrachtete mit einem neuartigen Gadget, das Teleskop, den Himmel, zog aus den Bahnen der Monde des Jupiter und den Phasen der Venus logische Schlüsse und wurde dafür von der Kirche bestraft. Er hatte nämlich bestätigt, dass das alte ptolemäische Weltbild, wonach die Erde im Mittelpunkt stand und alle Himmelskörper sich um sie herumbewegten, falsch und das kopernikanische Weltbild, in dem die Sonne im Zentrum stand und sich alle Planeten um sie herumbewegten, richtig ist. Das passte der Kirche nicht, und sie machte Galileo Galilei den Prozess. In jener Zeit waren Ketzerverbrennungen noch üblich, der große Religionskrieg tobte, aber der berühmte Gelehrte Galileo Galilei hatte Glück, und er bekam nur Hausarrest. „Und sie dreht sich doch!“, ist ein Satz, für den Galileo Galilei berühmt geworden ist, den dieser aber vermutlich nie im Prozess gesagt, aber ganz sicher gedacht hat.

Antwort 3: Mehrere Beispiele könnten genannt werden. Beispielsweise behauptete er, Versuche auf der schiefen Ebene durchgeführt zu haben, die er nicht gemacht hatte, weil sie nicht funktionieren.

Meine Rätsel sollen vor allem unterhalten, aber ich möchte auch zu einem wissenschaftsaffinen Weltbild ermutigen. Dazu gehört die Vermeidung von unkritischem Personenkult. Anders als Anhänger von Offenbarungsreligionen, die ihren Propheten kritiklos glauben, weil sie vermeintlich das wahre Wort Gottes verkünden, sollten Skeptiker, Freidenker, Atheisten und Agnostiker wissenschaftlichen Vorbildern nicht unkritisch vertrauen. Wissenschaftler sind keine Propheten. Wer meint, die Arbeit einzelner Wissenschaftler dürfe nicht angezweifelt werden, ist einer Ideologie verfallen und damit – wie Gläubige – im Denken unfrei. Humanisten sind auch nicht fehlerfrei, viele haben schweres Unrecht begangen. Ich würdige in meinem Blog immer nur bestimmte Taten, nicht die Person.

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Weitere Rätsel:

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Zu meinem humanistischen Blog/Vlog für weitere Beiträge, Buchrezensionen und Rätsel

Zu meinem Trostbuch für Transzendenzskeptiker bei Ängsten und Trauer: „Atheistisch glücklich sterben“

2 Antworten zu „Rätsel #7 | Genie oder Trickser oder beides?”.

  1. Avatar von Madame Mim
    Madame Mim

    Und sie bewegt sich doch, lieber Clemens!
    Welche Experimente erfunden sind, weiß ich leider nicht, aber die Fallgesetze hat G.G. denke ich, nicht nachgewiesen, oder?

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  2. Avatar von Rätsel 11 I Wenn die Moral über Bord geht – Clemens Lintschinger

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