Zeit für ein neues Rätsel: Diese Rätsel verstehen sich als spielerische Ergänzung zu meinen Analysen, Rezensionen und Kommentaren. Sie sollen unterhalten, informieren und zum Mitdenken einladen, aber keinesfalls belehren. Die Auflösung eines Rätsels steht jeweils am Ende des Beitrags. Wer mitraten möchte, sollte also zunächst der Versuchung widerstehen, nach unten zu scrollen. Über wohlmeinende Kommentare, sachlich-konstruktive Kritik – und natürlich auch über das Weiterleiten an andere Rätselfreundinnen und -freunde – freue ich mich sehr.Zeit für ein neues Rätsel:
Rätsel Nummer 8 ist ein klassisches „Reiserätsel“. Gesucht wird der Ort (Stadt und Platz), wo sich die Figurengruppe befindet (Frage 1), die ich im Zuge einer Reise fotografiert habe. Ferner sollen die Rätselfreunde erraten, welchen Titel die Skulptur trägt (Frage 2). Selbstverständlich gibt es von mir wieder zahlreiche Hinweise und anschließend noch eine Bonusfrage.
Zum Rätsel
Zuerst die Fotos:


Frage 1: In welcher Stadt und an welcher Örtlichkeit wurden die Fotos aufgenommen?
Frage 2: Welchen Namen trägt die bronzene Skulpturengruppe?
Hinweise für die Rätselauflösung
- Die Skulptur zeigt fröhliche Menschen, die sich in ein Fest stürzen. Jenes Fest wurde in einer Epoche der Menschheitsgeschichte gefeiert, als Religion noch Spaß machen konnte. Die Gläubigen waren noch nicht an die strengen Moralvorstellungen und Verbote der Offenbarungsreligionen gebunden. Es handelte sich um ein sowohl beim Adel als auch beim einfachen Volk gleichermaßen beliebtes Volksfest zu Ehren eines Gottes, bei dem ausgelassenes Trinken, Musizieren und Spielen zur Wintersonnenwende zelebriert wurden. Auch sexuelle Hemmungen wurden im Rahmen dieses Festes abgelegt.
Einige Elemente der Feierlichkeiten hat später das Christentum für das Weihnachtsfest adaptiert, um sich schneller verbreiten zu können. Andere Bräuche werden auch heute noch in der Karnevalszeit gepflegt.
Jede der zehn Figuren verkörperte eine distinkte soziale Klasse. Die zeitweilige Aufhebung der Standesunterschiede und Klassenhierarchien während des Festes (der Orgie) bildete ein zentrales Element der religiösen Verknüpfung mit dem mythischen Goldenen Zeitalter.
Die Bronzeplastik trägt den Namen, unter welchem die Feierlichkeiten heutzutage bekannt sind. Dieser Name wiederum leitet sich von dem Gott ab, zu dessen Ehren das Fest stattfand und der als Regent des Goldenen Zeitalters galt. - Das Originalkunstwerk (Tiefe: 320/Höhe: 200/Breite: 607) wurde in den Jahren 1888 bis 1899 von einem italienischen Bildhauer errichtet. Für sein Werk wurde der Künstler auf der Pariser Weltausstellung von 1900 mit dem Grand Prix ausgezeichnet.
Hingegen stieß die Figurengruppe mit den betrunkenen Charakteren bei bigotten Menschen auf Ablehnung. Infolgedessen wurde die Skulptur (genauer gesagt eine Zweitversion) sogar zum Gegenstand eines Rechtsstreits mit dem Metropolitan Museum of Art. Aufgrund der vermeintlich zur Schau gestellten Unmoral und Dekadenz erhoben die Museumsverwalter vor dem offiziellen Beginn einer Ausstellung Beschwerde, und der Museumsdirektor sah sich gezwungen, die Skulpturengruppe zu entfernen. Der Künstler, der hierüber nicht erfreut war, verklagte umgehend das Museum. Den Rechtsstreit verlor er jedoch! Das New Yorker Höchstgericht entschied, dass der Museumsdirektor nicht befugt gewesen sei, ohne die Zustimmung des Kuratoriums einen verbindlichen Vertrag mit dem Künstler abzuschließen.
Heutzutage befindet sich die Replik in jener Stadt, in der ich sie fotografiert habe und die in diesem Rätsel gesucht wird. Diese Stadt hat mit dem Ereignis, das die Skulptur darstellt, geschichtlich keine Verbindung. - Das Originalkunstwerk befindet sich in einem Museum in Rom.
- Die Fotographien wurden Anfang Februar 2024 aufgenommen. In dieser Woche betrug die Höchsttemperatur am gesuchten Ort 37 °C.
- Die Replik wurde auf einer Grünfläche mit sieben Hektar und 1.580 Pflanzenarten aufgestellt und ist eines von 33 Kunstwerken.
- Zum Wochenende strömt dort gelegentlich ein intensiver Geruch von Gegrilltem in die Nase.
- Abends tanzen in der Stadt die Menschen sehr gerne, aber hemmungslose Orgien habe ich keine gesehen.
Bonusfragen
Und was will uns ein zeitgenössischer Künstler (welcher?) mit diesem Kunstwerk, das sich im selben Stadtteil befindet, wohl sagen?

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Freiwillige Mitmachbedingungen
- kein Google
- kein Wikipedia
- keine Bildrückverfolgung
- kein Lesen der Antworten in den Kommentaren
Antworten:
Eure Antworten schreibt gerne auf der jeweiligen Veröffentlichungsplattform oder als Kommentar auf der Webseite meines humanistischen Blogs.
Auflösung:
Zur Auflösung nach unten scrollen
Preis für die richtigen Antworten:
Zufriedenheit über das bereits erworbene Wissen
Trostpreis für falsche Antworten:
Freude, neues Wissen erfahren zu haben
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Auflösung
Im antiken Rom waren die Saturnalien ein Fest, das im Dezember zu Ehren Saturns gefeiert wurde. Es handelte sich um ein Ritual, das an das mythische Goldene Zeitalter erinnern sollte, als die Menschen unter der Herrschaft Saturns in Frieden und Wohlstand lebten. Während der Feiertage wurden die Hierarchien aufgehoben. Sklaven konnten an Stelle ihres Herrn treten. Ein Brauch, der sich abgewandelt bis in unsere Zeit bewahrt hat („Narrenkönige“ im Fasching).
In der Gruppe „Saturnalien“ (Antwort auf Frage 2), die der italienische Bildhauer Ernesto Biondi gegen Ende des 19. Jahrhunderts erschaffen hat, ist es möglich einen Querschnitt der römischen Gesellschaft zur Kaiserzeit und ihrer verschiedenen Klassen zu erkennen. Eigentlich wollte Biondi die Dekadenz Roms aufzeigen. Die Inschriften auf der Rückseite des Sockels beziehen sich auf Verse gegen die Wollust, den Sittenverfall und sie sagen den Niedergang der verkommenen Weltstadt voraus.
Nach dem künstlerischen Erfolg von Biondis Skulptur auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurde 1902 eine zweite Version des Werks auf der Panamerikanischen Ausstellung in Buffalo präsentiert. Bei dieser Gelegenheit schlug der Direktor des Metropolitan Museum in New York dem Künstler vor, die Gruppe ein Jahr lang in der Museumshalle des Metropolitan auszustellen, was in weiterer Folge zu dem in den Hinweisen erwähnten Rechtsstreit führte.
Heute befindet sich die Replik im „Botanischen Garten von Buenos Aires“ (Antwort auf Frage 1), wo ich sie fotografiert habe. In Buenos Aires habe ich es erlebt, dass es die Einwohner lieben (kein Touristenklischee) am Wochenende Asado zu grillen und Tango Argentino zu tanzen.
Antwort auf Bonusfrage:
Die Skulptur mit dem Titel „Hito de Frontera“ wurde von Carlos Huffmann (1980 in Buenos Aires geboren) erschaffen. Der Künstler will mit seinem Werk die Öffentlichkeit zum Nachdenken über die Idee von Grenzen anregen. Der Titel bezieht sich auf die Steinstapel, die man in den Bergketten findet. Sie markieren als Grenzsteine die Grenzen zwischen Ländern.
Auf dem Foto ist ein in Argentinien beheimatetes Gürteltier zu sehen, vom Künstler ganz in Gelb dargestellt. Dieser Farbton wird auf Straßen verwendet, um Aufmerksamkeit zu erregen und eine gute Sichtbarkeit zu erreichen.
Der „Grenzstein“ des Künstlers besteht aus verschiedenen Materialien wie Polyesterharz, Pigment, Zement, Eisen, Automobil und Holz.
Quelle: https://buenosaires.gob.ar/cultura/artes-visuales/hito-de-frontera-de-carlos-huffmann
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