Was bin ich? Ein nomozentrischer Störenfried oder doch nur ein Querulant?

In der nachstehenden Infografik kannst du mein ganz persönliches Don-Quijote-Drama im Einsatz für den Zentralrat der Konfessionsfreien in Österreich in Sachen ORF-Gesetz verfolgen: eine Aneinanderreihung juristischer Niederlagen im Kampf gegen die Privilegierung zweier christlicher Kirchen im ORF-Gesetz und gegen den gesetzlichen Ausschluss konfessionsfreier Menschen im öffentlich-rechtlichen Kernauftrag des ORF. Trotz dieses andauernden Anrennens gegen Mauern gebe ich nicht auf. Manches Unrecht ist schlicht zu infam, als dass man es einfach hinnehmen kann.

Wo verläuft die Grenze zwischen einem einem unbeirrbaren Kämpfer für eine Sache und einem Querulanten? Der Begriff „Querulant“ stammt aus der Rechtssprache (lateinisch queri = sich beklagen, klagen). Ursprünglich bezeichnete er jemanden, der beharrlich Beschwerden oder Rechtsmittel verfolgte. Zum Querulanten wurde der Begriff erst durch seine spätere abwertende Bedeutung: Gemeint ist jemand, der sich pedantisch an Nebensächlichkeiten festbeißt, wegen geringfügiger Angelegenheiten immer wieder Streit sucht und den Konflikt selbst zum Mittelpunkt macht.

Der Begriff des „nomozentrischen Störenfrieds“ geht auf den Philosophen Dieter Thomä zurück. In seiner Philosophie des Störenfrieds beschreibt er eine Figur, die die bestehende Ordnung nicht aus persönlicher Kränkung oder bloßer Lust an der Störung heraus infrage stellt, sondern im Namen einer besseren Ordnung. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen nomos (Gesetz, Ordnung) ab.

Ein nomozentrischer Störenfried stört daher nicht, weil er Streit sucht, sondern weil er daran erinnert, dass Recht und Ordnung nicht nur bestehen, sondern auch gerechtfertigt sein müssen. Er akzeptiert Regeln nicht blind, sondern nimmt sie gerade deshalb ernst, weil auch staatliche Macht an Recht und Verfassung gebunden ist.

Ob ich also ein Querulant oder ein nomozentrischer Störenfried bin? Mach dir selbst ein Bild (Anmerkung: Bitte, auf Vollbild gehen und „Interaktive Elemente“ anklicken, um wirklich alle interaktive Elemente zu sehen).

Den chronologischen Verlauf kannst du auf meiner Webseite im Detail verfolgen. Lies dazu die Sub-Seite: „https://clemens-lintschinger.eu/juristische-schritte-gegen-die-diskriminierung-der-konfessionsfreien-im-orf/

***

Abonniere bitte meinen humanistischer Blog, wenn noch nicht geschehen: http://www.clemens-lintschinger.eu

Über wohlmeinende Kommentare, sachlich-konstruktive Kritik – und natürlich auch über das Weiterleiten an Interessierte – würde ich mich sehr freuen. Die sich anhäufenden Hasskommentare ignoriere ich oder sie werden von mir angezeigt.

***

Du bist Atheist oder Agnostiker oder ein Religionszweifler und fürchtest dich vor dem Tod? Hier geht es zu meinem Trostbuch für Transzendenzskeptiker bei Ängsten und Trauer: „Atheistisch glücklich sterben“

3 Kommentare zu „Nomozentrischer Störenfried versus Querulant?“

  1. Avatar von Gamma Hans

    Danke für diesen nachdenklichen Beitrag. Ich denke, der Unterschied zwischen einem Querulanten und einem beharrlichen Kämpfer liegt weniger in der Zahl der Niederlagen als in der Orientierung an Rechtsstaat, Menschenwürde und sachlicher Argumentation. Geschichte zeigt, dass notwendige Reformen oft mit unbequemen Stimmen begannen. Ich wünsche mir, dass kontroverse Fragen über Gleichbehandlung und Religionsfreiheit weiterhin respektvoll, faktenbasiert und im Geist des demokratischen Dialogs diskutiert werden – auch dann, wenn wir zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    1. Avatar von Clemens Lintschinger

      Diesem Wunsch schließe ich mich sehr gerne an. Vielen Dank für diesen konstruktiven und diskussionsfördernden Beitrag.

  2. […] Gamma Hans Nomozentrischer Störenfried versus Querulant […]

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Clemens Lintschinger

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen